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Reittherapie – Hilfe mit besonderer Kraft

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Seit etwa 450 v. Chr. in den Jahren des bekannten Hippokrates, weiß man von dem gewinnbringenden Wert der Bewegungen des Pferdes auf das gesundheitliche Befinden des Menschen. Die tiefgehende, heilende Wirkung findet aufgrund der vom Pferdekörper ausgehenden Schwingungsimpulse statt. Schon zu dieser Zeit wurde das erkannt und in der Praxis angewandt. Bis heute werden Pferde für Therapeutisches Reiten, Heilpädagogisches Reiten und als helfende tiergestützte Therapie für Menschen mit Handycap oder mit psychischen Problemen eingesetzt.

Nicht jeder Reiterhof bietet diese Möglichkeiten an, jedoch ist in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme an diesen tollen Angeboten spürbar. Positive Resultate sprechen für sich. Hier findest Du interessante Informationen zum Thema:

Medizinisch wertvoll - die Hippotherapie

Diese Therapieform ist Gold wert. Können sich Menschen aufgrund einer Behinderung oder einer schwerwiegenden körperlichen Erkrankung (Ärzte verordnen diese krankengymnastische, neurophysiologische Behandlung) nicht in ihrer natürlichen Weise bewegen, werden sie durch die einwirkenden Schwingungen der Pferde wieder in eine schreitende (vorwärtstendierende) Bewegungsform mitgenommen. Das Tier übernimmt als "lebendes Übungsgerät" die erforderliche Behandlung.

Diese erfolgt natürlich mit Hilfe einer kundigen, speziell ausgebildeten Physiotherapeutin. Dieser Beruf erfordert eine besondere Reittherapie Ausbildung, denn es muss nicht nur der Mensch, sondern auch das Pferd fachmännisch koordiniert werden.

Heilpädagogisches Reiten - ein Fels in der Brandung

Im Bereich der Reitpädagogik und Heilpädagogik nimmt das Pferd die Stelle als "Erziehungshelfer" oder "Entwicklungshelfer" ein. Hier geht es also nicht darum nur Reiten zu lernen. Verhaltensauffällige Kinder oder schlimmstenfalls verhaltensgestörte Kinder und Jugendliche finden viel leichter den Draht zu einem Tier als vielleicht zu anderen Menschen. Das Pferd hilft ihnen sich zu öffnen, Probleme zu lösen und gestärkt wieder ihren Alltag meistern zu können. Der kuschlige Vierbeiner wird schnell als Partner akzeptiert, zum Bindeglied und spiegelt positives Auftreten sowie Fehler. Denn: Pferde sind immer ehrlich!

Diese tiergestützte Therapie hilft den Personen, sich wieder mit ihrer Umwelt zu konfrontieren. Sie stärkt von innen könnte man sagen. Das heilpädagogische Reiten wirkt sich positiv auf die Psyche der Betroffenen aus. Der pädagogische Betreuer benötigt dazu viel Feingefühl und eine fundierte Ausbildung im Reitsport und im sozialen Umgang mit Menschen. Heilpädagogisches Reiten erfordert einfach ein sehr umfangreiches Wissen. Trotz dessen und gerade deshalb eine Pferdetherapie, die Sinn macht.

Therapie Pferde - Tiere mit Herz und Verstand

Therapeutisches Reiten, Reitpädagogik oder welche tiergestützte Therapie auch immer - den wichtigsten Part übernimmt das Tier (in diesem Fall das Pferd). Seine Präsenz allein ist schon wertvoll. Das tolle Aussehen, seine weiche Haptik, die sanften Berührungen mit der Nase und der unbezahlbare Charakter sind sein weiteres Plus.

Der Therapeut muss sich auf seinen "Arbeitskollegen" verlassen können. Therapeutisches Reiten ist auch für das Pferd anstrengend. Duldsamkeit ist ein Stichwort. Das heißt, das Tier muss ruhig bleiben, wenn beispielsweise ein Patient per Kran auf seinen Rücken gesetzt wird. In der Pferdetherapie werden daher besonders ruhige, brave, sanftmütige und gut zu sitzende Pferde benötigt. So gibt es also durchaus ein paar Voraussetzungen, die ein zukünftiges Therapiepferd mitbringen muss:

- Kontaktfreude

- Menschenbezogenheit

- ein offenes Wesen

- ruhig und wenig schreckhaft

- gut ausbalancierte, weich zu sitzende und taktreine Gänge

- eine Hand voll Neugierde (diese Tiere gehen mit Motivation an die Sache ran und lernen leichter)

- gutes Sozialverhalten seinen Artgenossen gegenüber (sollte es ohnehin bei einer sorgsamen Aufzucht entwickelt haben)

Therapie und Pferde gehören einfach zusammen. Letztlich geht es nicht darum sofort große Erfolge zu erzielen. Vielmehr ist bei der ganzen Sache der Weg das Ziel. Ein für den Betroffenen schwerer Weg, welcher aber dank des Pferdes und der großartigen Betreuung nicht mehr ganz so steinig ist.

Fazit:

Fakt ist: Therapeutisches Reiten ist so viel mehr als nur reiten. Es bewirkt Dinge im menschlichen Körper, die weit über das physische hinausgehen. Vielleicht gefällt Dir ja diese Arbeit? Egal ob Hippotherapie oder eine andere Pferdetherapie - Du kannst viel Gutes tun als Therapeut. Und das Arbeiten auf dem Reiterhof sowie die Therapie zu Pferde bewirkt auch beim Ausführenden ein wunderbar erfüllendes Gefühl.

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Es folgt ein Gastbeitrag der Reittherapie Fischbach:

Begegnen – bewegen – berühren

Das sind für mich die drei Schlagworte, die mir direkt zu meinem Job in der Reittherapie einfallen.

Therapeutisches Reiten – eine Therapieform mit Tier - das ist mittlerweile zum Glück relativ bekannt
und auch die positiven Auswirkungen der Pferde auf die Psyche und den Körper sind kein Usus mehr.

Pferden begegnen – diese Begegnung ist immer etwas Besonderes: große Wesen, die ihre Augen auf einen richten, freundlich und neugierig auf einen zugehen, die Ohren gespitzt, ein zartes „Hallo“ mit den Nüstern – die warme Luft, die weiche Nase. Pferde begegnen einem jeden Menschen neutral und freundlich – egal ob derjenige im Rollstuhl sitzt oder eine geistige Einschränkung vorliegt. Sie werten nicht – sie nehmen an. Und zwar jeden, wie er ist. Das stärkt – innen und außen: das Selbstwertgefühl, die eigene Präsenz, Sicherheit im Auftreten können daran wachsen.

Pferde bewegen – und das wird genutzt. Die dreidimensionale Bewegung des Schrittes wirkt sich positiv auf Tonusregulierung und Muskel(ver)spannung aus, ebenfalls wird das Gleichgewicht geschult. Ob Spastik oder Halbseitenlähmung – davon profitiert der ganze Körper. Und nicht nur auf dem Pferd bewegen Pferde, auch miteinander in der Bodenarbeit zu agieren erhöht das Körperbewusstsein und fördert die eigenen Bewegungsmöglichkeiten.

Berühren – und hiermit spreche ich nicht unbedingt nur von Anfassen. Streicheln, mit den Fingern durch die Mähne fahren, Kraulen – das sind alles taktile Erfahrungen die positive, achtsame und schöne Momente vermitteln. Pferde berühren aber auch – und zwar im Herzen. Jeder, der etwas mit Pferden zu tun hat, wird einen solchen Moment schon einmal erlebt haben. Deshalb ist auch jeder bei uns in der Reittherapie willkommen, egal, ob psychische oder physische Leiden vorherrschen.

Die Pferde sind unsere Haupttherapeuten, unsere treuen Mitarbeiter, die unermüdlich jeden Tag ihren Dienst leisten und dies – in meinen Augen – auch gerne tun. Wir halten unsere Pferde in einem Herdenverband und versuchen ihnen ein so artgerechtes Leben wie möglich zu geben. Es wird Korrektur geritten und vielseitig gearbeitet (Longe, Doppellonge, Bodenarbeit, Freiarbeit) um die Fünf vital und fit zu halten. Wir sehen unsere fünf Haflinger nicht als Therapiegeräte, sondern als die besten Kollegen der Welt. Und nun können wir ihnen selbst ein paar Wohlfühlmomente vermitteln – mit den tollen Bürsten von Animalon. Vielen Dank!

Vielen lieben Dank an Eva Leykauf von der Reittherapie Fischbach für diesen wunderschönen Gastbeitrag zum Thema Reittherapie.

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