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Headshaking – gibt es Hoffnung fürs Pferd?

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Das Headshaking beim Pferd stellt viele Pferdebesitzer vor ein Problem. Das stetige Schütteln des Kopfes bringt das Pferdetraining und den Umgang nämlich rasch an seine Grenzen.

Jedoch schränkt es nicht nur den Reiter ein, auch das Pferd verliert deutlich an Lebensqualität. So kommt die Verzweiflung vieler nicht von ungefähr. Es wird sich auf die Suche nach Ursachen sowie Heilmethoden gemacht. Teils mit schleppendem Erfolg. Leider.

Interessant zu wissen:

Zu damaliger Zeit wurde das heftige Kopfschlagen beim Pferd rein als Untugend angesehen. Heute wird das Thema differenziert behandelt. Quasi Headshaking als Verhaltensstörung beim Pferd, aus gesundheitlichen Gründen, aufgrund diverser Reiterfehler, durch mangelnde Ausrüstung oder als Konfrontation mit umweltbezogenen Auslösern. Demnach keine Pferdekrankheit im eigentlichen Sinne und auch nicht unbedingt nur gleichzusetzen mit Koppen und Weben vom Pferd.

Was alles dahintersteckt und wie das Headshaking Syndrom eventuell in den Griff zu bekommen ist, möchten wir Dir natürlich nicht vorenthalten. Eines sei vorweg gesagt: Headshaking Behandlungserfolge gibt es - nur der Weg dorthin ist meist etwas steinig.

Headshaking beim Pferd - was ist das?

Es wird davon ausgegangen, dass tatsächlich 1 bis 2% aller Pferde davon betroffen sind. Das unkontrollierte Schütteln des Kopfes wurde außerdem schon seit über 200 Jahren schriftlich erwähnt.

Dabei bewegt das Pferd seinen Kopf plötzlich und ohne erkennbaren Grund von unten nach oben, von Seite zu Seite oder auch in kreisenden Bewegungen. Der daraus entstandene Ruck geht durch den gesamten Pferdekörper und ist natürlich vom Reiter deutlich zu spüren. Falls das Tier überhaupt noch geritten werden kann. Selbst Bodenarbeit wird zum Akt, wenn der Schüttelreiz enorm ist.

Die Symptome können weniger oder stärker ausgeprägt sein. Von Kopfschlagen, Kopfschütteln bis Zucken ist alles dabei. Das sofort stoßweise sowie zwanghaft wirkende Geschehen ist das typischste Merkmal vom Headshaking beim Pferd.

Stärke, Dauer und Auftreten kann also variieren. Je nach Ursache und sogar je nach Jahreszeit und Wetterlage.

Oft zeigen die Tiere ein gestresstes und unkonzentriertes Verhalten. Manche Pferde schlagen sogar reflexartig mit der Vorhand aus.

Liegt beispielsweise eine Reizung vom Trigeminusnerv vor, wird oft ein Reiben der Nüstern an Beinen, Wand oder dem Boden angewandt. Es gibt auch Tiere, die ihren Kopf regelrecht im Schweif von ihren Artgenossen verstecken. Ein häufiges Zucken der Gesichtsmuskeln kann beobachtet werden.

Auch vermehrtes Schnauben oder Schlabbern mit der Oberlippe sind ein Anzeichen von Headshaking.

Ursachen

 

Gesundheitliche Gründe können sein:

 

- Zahnprobleme (z. B. eine Zahnwurzelentzündung oder ein störender Wolfszahn)

- gesundheitliche Mängel an Auge, Gehörgang, Maul- und Nasenhöhle (evtl. Flüssigkeitsansammlung)

- Pilzinfektionen

- Verletzungen der Halsmuskulatur

- Rücken- oder Wirbelsäulenprobleme und daraus resultierende Schädigungen des Nervensystems

- Nervenschädigungen durch Viren (z. B. Herpes) oder Bakterien (z. B. Borreliose)

- eine Verbindung von Trigeminusnerv und Sehnerv (z. B. Trigeminusneuralgie beim Pferd)

- Allergien (Pollen, Schimmelpilze oder Insekten)

Einige Pferde shaken ohne erkennbar krankheitsbedingte Ursachen.

Solche Auslöser können beispielsweise sein:

 

- unpassendes Zaum- und Sattelzeug

- falsches Gebiss

- Rittigkeitsprobleme

- Reiterfehler

Diese Eingrenzung der Ursachen brachte 3 Headshaking Pferdetypen hervor:

 

- stereotypisches Headshaking (ähnlich wie bei einer Verhaltensstörung beim Pferd z. B. Koppen, Weben beim Pferd)

- symptomatisches Headshaking infolge einer eruirten Ursache (durch Nachforschen ersichtlich geworden)

- idiopathisches Headshaking (ohne erkennbaren Grund)

Diagnose

Eine sofortige Diagnose kann schwierig und zeitaufwendig sein, da das Krankheitsbild eines "Kopfschüttlers" so komplex ist. In erster Linie wird der Besitzer ausgiebig befragt.

Wie sind die Haltungs- und Fütterungsbedingungen?

Wann (in Ruhe oder bei der Arbeit) treten die Symptome auf?

Ist es bei Lichteinwirkung schlimmer?

Wo passiert es? Beim Ausritt, im Paddock, auf der Weide oder im Stall?

Wie lange dauert das Kopfschlagen?

Ist das Tier ansonsten gesund? Lässt es sich überall anfassen? Andere Auffälligkeiten?

Als weiterer Punkt steht das Ausschlussverfahren an. Hierbei wird nun z. B. ein Schmerzmittel verabreicht, um zu sehen, ob das Kopfschlagen beim Pferd aufhört. Wenn ja, wird versucht den Schmerz zu lokalisieren.

Ähnlich bei einer allergischen Reaktion. Das Tier bekommt evtl. Antiallergika und es wird wieder beobachtet.

Weiterhin können Röntgenbilder oder ein CT Aufschluss geben, wenn z. B. die Wirbelsäule in Betracht gezogen wird.

Therapie der "Pferdekrankheit"

Liegt eine Allergische Reaktion vor, kann dem Headshaking Syndrom meist gut entgegengewirkt werden. Auch Zahnprobleme, und ostheopathische Befunde lassen sich beseitigen und so gibt es beim Headshaking Behandlungserfolge.

 

Es macht außerdem Sinn bei Verdacht auf ein unpassendes Gebiss, dieses gegen eine gebisslose Alternative auszutauschen.

Die Wirkung wird rasch ersichtlich sein. Ähnlich wird mit dem Sattel verfahren.

Wird das Pferd nur von einem Reiter geritten, kann ein Reiterwechsel Erkenntnis bringen, ob reittechnisch vielleicht der Wurm drin ist.

Schwieriger sieht die Geschichte mit der Trigeminusneuralgie beim Pferd aus. Diese sehr schmerzhafte Erkrankung bedarf bestimmter Medikamente (starke Nebenwirkungen) und die Prognose ist nicht wirklich vielversprechend. Gerade wenn das Tier aufgrund vom Trigeminusnerv starke Schmerzen hat, sollte in jedem Fall zum Wohle des Tieres entschieden werden.

Oft wird eine Lichtscheue bei diesen Pferden erkannt (photic Headshaking). Im Frühjahr/Sommer ist das Headshaking beim Pferd dann besonders heftig.

Der Trigeminusnerv teilt sich in gesamten Gesichtsfeld des Pferdekopfes auf. Verständlich, dass Schmerzen für das Tier extrem Stress bedeuten. Ein neues Verfahren, die sogenannte PENS-Technik, soll manchen Pferden aber einige Monate Linderung verschaffen können. Diese elektrische Nervenstimulation setzt die Reizschwelle des Nerves herunter, was eine Reduzierung des Kopfschlagens zufolge hat. Allerdings ist diese Methode nicht ganz unkompliziert.

 

Wird einem Headshaker zusätzlich ein Nasennetz, Fransen oder eine dunkle Fliegenmaske aufgesetzt, kann weiterhin vom Reiz abgelenkt werden.

Letztlich ist eine Minimierung des Reizes immer ausschlaggebend und der Hauptteil einer Behandlung.

Als Begleittherapien werden nicht selten Akupunktur, Homöopathie und Chiropraktik genannt. In jedem Fall eine gute Unterstützung für den Gesamtorganismus Pferd. Außerdem wird dem Patienten ein stressfreies Umfeld empfohlen. Heißt, den pferdischen Bedürfnissen bestmöglich nachzukommen - viel freie Bewegung, qualitativ hochwertiges Futter, saubere Einstreu und ein entspanntes Leben mit Artgenossen. Klingt für Dich selbstverständlich? Prima, Dein Horsemanshipdenken ist intakt!

Leider hakt es aber tatsächlich an den Haltungsbedingungen mancher Pferde. Zum Wohle aller Tiere, ob erkrankt oder nicht, sollte das "Notwendige" jedoch immer hinterfragt werden! Die Liebe zum einmaligen Charakterwesen Pferd verpflichtet uns dazu, oder?

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