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Halsringreiten – weniger ist tatsächlich mehr

Auf Messen, Showevents oder verewigt in YouTube-Videos - das Zusammenspiel von Reiter und Pferd ohne Zaum mit nur einem dünnen Halsring begeistert den Zuschauer.

Schon beim ersten Anblick wird klar: Das will ich auch! Die feine Verbindung, die trotz fehlender Zügel- und Gebisseinwirkung besteht, fasziniert nicht nur Freizeitreiter. Gerne wird das Halsringreiten auch von professionellen Dressur-, Spring- und Westernreitern mit ins Training eingebunden. Und das nicht ohne Grund.

Die Vorteile vom Reiten mit dem Halsring für den Reitsport sind schließlich nicht zu verachten:

- Schulung von Balance, also den korrekten und zügelunabhängigen Sitz

- Verfeinerung der Hilfen insbesondere der Gewichts- und Schenkelhilfen

- deutliche Kommunikation zwischen Pferd und Reiter

- tolle Teambildung dank beiderseits entgegengebrachten Vertrauens

- fördert ein besseres Gleichgewichts- und Körpergefühl beim Pferd

Ja, tatsächlich kann das Halsringreiten Dich zu einem besseren Reiter machen und das partnerschaftliche Miteinander mit Deinem Pferd fördern. Du lernst Deinen Körper präziser einzusetzen d.h. Gewicht und Schenkel übernehmen aktiver den Großteil der Lenkung und der Geschwindigkeitskontrolle. Leider verlassen sich nämlich viele Reiter auf ihr Zaumzeug. Mit Halsring nahezu unmöglich. Die gewohnten Paraden gibt es nun nicht mehr.

Hier wird deutlich: Schummeln funktioniert da gar nicht!

Welches Equipment benötigst Du?

In erster Linie reicht ein festerer Halsring. Eine starre Konstruktion aus stabilem Lassomaterial oder aus Seil mit festem Innenleben vereinfacht Dir und Deinem Pferdchen den Einstieg.

Fortschreitend gibt es den Equizügel.

Dieser größenverstellbare Zügelring aus Biothane mit einer Polsterung und eingearbeitetem D-Ring zur Bodenarbeit ist ein tolles Arbeitsutensil. Er kann zum einen unterstützend wie ein Balancezügel mit der Trense verwendet werden und zum anderen ohne Kopfstück. Für bereits geübte "Halsringreiter" demnach ein vielseitiges Utensil.

Ein ähnliches Modell findest Du beispielsweise von Linda Tellington Jones. Dieser Riemen hilft Deinem Pferd ebenfalls den richtigen Weg in eine gesunde Haltung zu finden.

Kurze Definition zum Balancezügel:

Diese Variante wird größtenteils mit dem Zaum in Kombination verwendet. Durch weiches Annehmen und Nachgeben von diesem während des Reitens wird das Pferd animiert sich vorne mehr anzuheben, die untere Halsmuskulatur zu entspannen und mehr Last auf die Hinterhand zu nehmen. Durch das Nachgeben kommt das Tier dann erst in die richtige Balance und lernt sich selbst korrekt zu tragen. Ob Western oder klassisches Reiten - jeder Reitsport profitiert davon.

Die Hilfengebung beim Reiten mit Halsring

- er wird einhändig geführt, dabei kannst Du aber jederzeit die Hand wechseln

- Grundposition kurz vor dem Widerrist, ist deutlichere Hilfe gefragt auch etwas weiter Richtung Hals

- körperlicher Fokus sowie Schenkel-, Gewichts- und Stimmhilfen

- durch Anlegen des Ringes an eine Seite des Halses wird die Richtung angezeigt (siehe unten: Erste Schritte)

- sanfte, annehmende Impulse (Durchparieren)

Deine persönliche Checkliste für einen guten Start

Du solltest:

 

- kein Anfänger sein

- über einen zügelunabhängigen, sicheren Sitz verfügen

- die feine Hilfengebung beherrschen

- einen umgrenzten Reitplatz, Longierzirkel oder einen Roundpen zur Verfügung haben

- dann das Reiten mit Halsring üben, wenn niemand sonst reitet, der bei seinem Training gestört werden könnte

- Dir passendes Equipment besorgen

- Dich und Dein Pferd gut vorbereiten

- eine Begleitperson organisieren (diese kann Dich anfangs passiv an der Longe begleiten und notfalls eingreifen)

- einen Helm tragen

- Deinem Pferd vertrauen können

Dein Pferd sollte:

 

- sich über den Sitz zurücknehmen und anhalten lassen

- Deinen Stimmhilfen Beachtung schenken z. B. "Halt" für Stopp oder "easy" für langsamer werden

- bereits mit dem Anlegen und Tragen des Halsringes vertraut sein

- Dir vertrauen können

Tipp dazu:

 

Lass Deinen Freund erst mal daran schnuppern. Interessiert er sich - loben!

An Hals und Kopf sanft damit streicheln. Ist das ok für ihn - loben!

Reagiert er eher mit etwas Rückzug - dranbleiben. Wird er ruhiger und lässt Berührung zu - Ring weg - loben! Also step by step bis zum Überstreifen und Tragen.

Du kannst z. B. immer am Ende eurer Trainingseinheit den Ring anlegen und Deinen Schatz damit trockenführen oder trockenreiten (ohne Einwirkung des Ringes!). So verbindet Dein Pferd diesen gleich mit etwas Positivem.

Die ersten Schritte mit dem Halsring

Das Halsringreiten ist ein ehrlicher Weg, der uns fordert mehr an uns selbst zu arbeiten. Dein Pferd kennt Deine Körpersprache mittels Schenkel- und Gewichtshilfen ja bereits. Du bist eigentlich derjenige, der nun Gelerntes in die Bahnen lenken muss.

Benutze dabei Deinen Fokus und richte Deinen Körper danach aus. Möchtest Du z. B. nach links? Dann fokussiere Augen, Schultern und Brust in die gewünschte Richtung. Das rechte Bein gibt Impuls und das Linke gibt den Weg frei. Durch Anlegen des Rings an der rechten Halsseite wird die Anweisung zudem verdeutlicht wenn nötig. Klingt insgesamt logisch, oder?

Fühlst Du Dich anfangs noch unsicher, lasse ruhig das Zaumzeug noch am Pferd. Tatsächlich ist es unser Kopf, der sich von dem Gedanken befreien muss, dass es nur mit Trense und Zügel funktioniert.

Hier noch ein paar Halsring Übungen

Eine tolle Hilfe sind Straßenhütchen. Stelle sie zu Beginn in einer geraden Linie mit jeweils ca. 4 Metern Abstand auf. Nun versuche diese Linie im Slalom in ruhigem Schritt zu passieren. Anfangs reichen schon 3 Hütchen. Natürlich dürfen es dann auch mehr sein und wenn es gut klappt, verringerst Du nach und nach den Abstand zwischen den Kegeln.

Stangen können Dir ebenso helfen beim Halsringreiten. Machst Du Dir aus 4 langen Stangen ein Viereck, kannst Du dieses langsam in eine Richtung umrunden. An den Ecken beim rechten Winkel muss schon viel Fokus und Schenkel her und wahrscheinlich auch die Einwirkung des Ringes auf die äußere Halsseite. Richtungswechsel einbauen.

Läuft es gut, kannst Du mit Stangen Dein Viereck erweitern und die ganze Sache mal in einer höheren Gangart angehen.

Wichtig: Dabei sollten die Stangen wirklich nicht zu eng liegen!

Fazit mit Halsring reiten

Ob Western-, Dressur-, Spring-, oder Freizeitreiter - bei dieser Art des Reiten haben alle was davon. Hier gibt es keine Einschränkungen. Dem Pferd vertrauen sowie seine eigenen Fähigkeiten verfeinern machen diese Sache so besonders. Teambildung par excellence! Neugewonnene Freiheit im gemeinsamen Tun.

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