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Bodenarbeit

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Bodenarbeit - langweiliger Unsinn oder abwechslungsreiche Trainingsmöglichkeit für Pferd und Reiter?

Ein Gerücht, das sich hartnäckig unter den Reitern hält: Bodenarbeit ist langweilig.

Ob an diesem Gerücht etwas Wahres dran ist, wollen wir einmal genauer unter die Lupe nehmen.

Was ist Bodenarbeit?

Wie das Wort schon sagt, handelt es sich um die Arbeit mit dem Pferd vom Boden aus. Pferd und Reiter begegnen sich hier auf „Augenhöhe“. Dadurch kommt es zu einer viel direkteren Kommunikation mit dem Pferd. Das Pferd hört nämlich nicht nur auf die Stimme des Reiters, sondern viel mehr achtet es auf seine Körpersprache.

Welche Arten der Bodenarbeit gibt es und was steckt dahinter?

Dualaktivierung/EQUIKINETIC:

Dies ist ein Intervalltraining (abwechselnde Belastungs- und Erholungsphasen) nach Michael Geitner, welches für mehr Balance und einen gezielten Muskelaufbau bei Pferden sorgen soll. Bei diesem Longierprogramm wird das Pferd in kontinuierlicher Innenstellung longiert. Mit Hilfe von blau/gelben Schaumstoffbalken wird eine Quadratvolte auf dem Boden erzeugt durch die sich das Pferd bewegt.

 

Natural Horsemanship:

Natural Horsemanship basiert auf dem natürlichen Pferdeverhalten, um das Vertrauen und den Respekt der Pferde in der Pferd-Mensch-Beziehung zu gewinnen. Diese Methode ähnelt mental, emotional und physisch der Art und Weise, wie Pferde sich untereinander in einer Herde verhalten und auch kommunizieren. Ziel des natural Horsemanship ist es, dass Menschen sich nicht wie Menschen oder gar wie Raubtiere, sondern wie Pferde verhalten. Grundlegend sind dabei sieben Spiele, die auf dem Verhalten einer Stute mit ihrem neugeborenen Fohlen basieren.

 

Longenarbeit:

bezeichnet das Training an der Longe. Hierbei kann man gezielt die Muskulatur des Pferdes aufbauen. Außerdem eignet es sich ebenfalls um Biegung und Stellung zu verbessern und zu erarbeiten. Bei der Longenarbeit trägt das Pferd im Idealfall einen Kappzaum, um feine Signale an Pferdekopf und Pferdehals zu senden.

 

Freiheitsdressur:

ist eine Kommunikation zwischen Pferd und Reiter die ausschließlich mit Handzeichen, der Peitsche und geleitet von der Stimme und Körpersprache des Menschen funktioniert. Das Pferd trägt bei dieser Art der Bodenarbeit kein Halfter oder anderes Zaumzeug und ist auch, wie der Name es sagt „Frei“ also ohne Longe und Führstrick.

 

Anti-Schreck-Training/Gelassenheitstraining:

hierbei wird das Pferd mit alltäglichen Situationen und/oder Gegenständen konfrontiert bei denen es durch seinen natürlichen Fluchtinstinkt häufig nervös oder gar panisch reagieren würde. Man bereitet so sein Pferd z. B. auf Ausritte vor. Häufige Hilfsmittel sind hier Pylonen, Regenschirme, Planen, Flatterband, oder Rappelsack.

 

Langzügelarbeit:

ist eine tolle Möglichkeit das Pferd vom Boden aus zu gymnastizieren und Lektionen, die vielleicht unterm Sattel noch nicht so gefestigt sind zu verfeinern. Man kann alle Lektionen, die das Pferd unterm Sattel zeigen kann, auch am langen Zügel erarbeiten und üben. Ideal ist diese Möglichkeit vor allem auch für Pferde, die nicht geritten werden können. Auch bei dieser Art der Bodenarbeit werden wieder Muskulatur und Koordination trainiert und das Pferd gymnastiziert. Für den Reiter ist Langzügelarbeit ebenfalls sehr empfehlenswert hierbei kann man seine Hilfengebung verfeinern und Lektionen perfektionieren. Außerdem baut der Reiter Kondition auf, den die Langzügelarbeit kann in allen Gangarten ausgeübt werden. 😊

 
Zirzensik:

sind Zirkuslektionen für das Pferd. Darunter fallen z. B. das Kompliment, Steigen, Spanischer Schritt, Verbeugen und viele andere Kunststücke.

 

Clickern:

Click – Lob durch Leckerli – Click – Lob durch Leckerli – so wird der Clicker als positives Geräusch vom Menschen mit dem Pferdekopf verknüpft. Über diese einfache Verknüpfung findet das Pferd mit Click-Geräusch und Leckerli heraus, was der Reiter will und dieser belohnt jede positive Reaktion.

 

Die aufgelisteten Arten der Bodenarbeit sind natürlich nur eine kleine Auswahl, denn die Möglichkeiten sind sehr vielzählig und abwechslungsreich. Nicht jedes Pferd ist für jede Art von Bodenarbeit geeignet oder findet Spaß an dem Training. Daher sollte man sich nicht nur auf eine Art versteifen, sondern sich mit mehreren Möglichkeiten einmal auseinandersetzen um zu filtern, welche Arten von Bodenarbeit für Reiter und Pferd in Frage kommen.

Der Mensch lernt im Idealfall:

  • Bewegungen besser verstehen – wie bewegt sich das Pferd in bestimmten Situationen, in welche Richtung richtet sich der Blick des Pferdes, diese Informationen helfen uns ungemein.
  • Körpersprache richtig deuten – von der Bodenperspektive aus lernen wir schneller, was das Pferd gerade umtreibt und wie es „funktioniert“.
  • Ruhe und Gelassenheit – sie stellen sich bei der Bodenarbeit für viele Reiter schneller ein, als vom Sattel aus.

Ziel der Bodenarbeit

Das Ziel der Bodenarbeit besteht darin, unsere Hilfen immer stärker zu minimieren, sodass das Pferd letztendlich durch kaum sichtbare Impulse auf den Menschen reagiert und die einzelnen Übungen motiviert, präzise und gelassen durchführt. Außerdem soll ein starkes Band aus Vertrauen und Respekt zwischen Reiter und Pferd entstehen.

Welche Ausrüstung wird bei der Bodenarbeit benötigt?

Je nachdem welche Art der Bodenarbeit man wählt gibt es verschiedene Ausrüstung.

Hier ein kleiner Überblick der meist genutzten Ausrüstungen:

 

Halfter

Knotenhalfter

Kappzaum

Bodenarbeitsseil

Longe

 

Optional: Gerte, Peitsche oder Horseman-Stick

Optional: Pylonen und Stangen, je nachdem was man üben möchte

Optional: „gruselige” Dinge fürs Gelassenheitstraining z. B. Regenschirm oder Plane

Fazit:

Du siehst also, dass die Bodenarbeit mit dem Pferd, neben dem klassischen Reiten, einen sehr wichtigen Baustein in der Arbeit zwischen Reiter und Pferd darstellt und keinesfalls als langweilig bezeichnet werden sollte. Ob nun Langzügelarbeit, Longe, Equkinetic oder Freiheitsdressur. Die Möglichkeiten der Bodenarbeit sind vielzählig und verfolgen doch alle das gleiche Ziel. Eine einzigartige, enge Bindung und blindes Vertrauen zwischen Reiter und Pferd zu schaffen. Die vielfältigen Möglichkeiten der Bodenarbeit ermöglichen es dir, dein Pferd zielorientiert zu trainieren. Losgelassenheit, Gymnastik, und Abwechslung sind dabei ein schöner Nebeneffekt.

One Response

  1. Katharina
    | Antworten

    Sehr schöne Übersicht. Danke für die Mühe.

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